"Warum gibt es so viele Impfgegner?"

"Ich habe mich impfen lassen, doch mich nervt es, dass es immer wieder Leute gibt, die mit abstrusen Theorien Stimmung gegen das Impfen machen. Wenn wir nicht alle zusammen halten und uns impfen lassen, geht womöglich wieder alles zu wie letztes Jahr. Warum gibt es so viele Impfgegner? Wie sehen Sie das aus psychologischer Sicht?" Silvio, 57

Lieber Silvio,

gerade beim Thema Impfen zeigt sich einmal mehr, dass der Charakter in der Kindheit geprägt wird.

Hier gibt es die Kooperierer. Sie denken pragmatisch und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. So sind sie dankbar, in einer direkten Demokratie zu leben, wo Politiker unterschiedlichster Couleur in gegenseitigem Respekt um gute Lösungen für die Bevölkerung ringen. Politiker, die uns im Gegensatz zu vielen anderen Ländern nicht unter Druck setzen, sondern an unsere Selbstverantwortung und unser Gemeinschaftsgefühl appellieren. Die Kooperierer schätzen das und wissen auch, dass es nicht selbstverständlich ist, dass genügend Impfstoff für alle gratis zugänglich ist. Warum also nicht die gemeinsame Empfehlung des Bundes befolgen und dieses Privileg beanspruchen? Schliesslich konnten mit Impfungen schon viele andere Krankheiten erfolgreich besiegt werden.

Dann gibt es die Zögerer. Sie möchten erst mal abwarten, weil sie etwas ängstlich sind. Es ist verständlich, Angst vor unbekannten Dingen zu haben und erst mal die anderen vorzulassen. Schliesslich ist jeder sich selbst der Nächste. Aber sind Ängste nicht dazu da, um überwunden zu werden? Hier braucht es Ermutigung und sachliche medizinische Informationen, wie sie zum Beispiel in diesem Artikel zu finden sind. Auch kann die neue Zertifikate-Regelung Ängstliche und Bequeme motivieren, sich doch bald für eine Impfung zu entschliessen, weil es sonst zu umständlich würde. Gut so.

Und dann gibt es die Verweigerer. Sie waren meist früher die ‚schwarzen Schafe‘ oder die Rebellen in der Familie. Ihre subjektive Haltung ist kritisch gegenüber ‚denen da oben’ – den Autoritäten oder Politikern. Damit verbunden ist ein Gefühl der Ohnmacht, der Wut, des Ausgeliefertseins, der sie für den Kampf legitimiert: Für eine bessere Welt, gegen Ungerechtigkeit, für mehr Freiheit, für mehr Selbstbestimmung. Der Kampf gibt ihnen ein Gefühl der Wichtigkeit und Bedeutung. Deshalb prallen auch die besten Argumente, wie sie z.B. in diesem Artikel aus der Wiener-Zeitung zu finden sind, an den Impfgegnern ab. Unser aller Charakter ist eine Summe von subjektiven Haltungen, Bewertungen, Entscheidungen und Gefühlen, die wir schon tausende Male in verschiedenen Variationen gedacht, gefühlt und so immer wieder von Neuem zementiert haben. Denk-Autobahnen im Gehirn sozusagen. Sie alle haben ihren Ursprung in unserer Kindheit, denn dort entsteht unser Charakter.


© Text: Dr. Christine Hefti, Foto: Canva

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